INTERNATIONAL BOOGIE NIGHTS USTER (Wirtschaftsmagazin)

10.8.2016

CHRIS CONZ ist ein junger, begabter Schweizer Boogie-Woogie-, Blues- und Jazz-Pianist. Ausserdem ist er Erfinder und Organisator des ausserordentlich erfolgreichen Boogie-Woogie-Festivals «International Boogie Nights Uster». Sein Palmarès belegt seine Vielseitigkeit: So gewann er mit seinem Trio einerseits den Kleiner Prix Walo als beste Nachwuchsband der Schweiz – und andrerseits den begehrten Swiss Jazz Award 2013. Seine neuste CD – eine Studioproduktion – erscheint diesen Winter.

 

Als 26-Jähriger organisierte Chris Conz sein erstes Festival. 2015 finden die International Boogie Nights Uster bereits zum fünften Mal statt. Seit Beginn wirkten über 35 Künstlerinnen und Künstler aus 10 Nationen mit, unter anderem aus den USA, England und Holland. Damit gehört das Festival inzwischen zweifellos zum festen Bestandteil der Jazz-Szene im Grossraum Zürich. www.boogienights.ch

 

Foto: Erwin Sigrist

 

 

Boogie-Woogie ist in der weltweiten Musikszene zweifellos ein Nischenprodukt. Wie gelingt es, unter dem Motto «Boogie-Woogie» über Jahre hinweg auch grössere Publikumskreise anzusprechen? Chris Conz sieht hier mehrere Erfolgsfaktoren.

 

DER AUSLÖSER

Im März 2011 fand meine erste CD-Taufe statt. Nebst vielen Fans und Freunden waren auch viele Musiker gekommen – und am Ende des Abends spielten sieben Musiker improvisiert zusammen auf der Bühne und brachten den überfüllten Saal zum Kochen. An diesem Abend realisierte ich zwei Dinge glasklar:

 

– Die Energie und Lebenskraft von Boogie-Woogie, Blues und anderen Formen des Jazz (wie zum Beispiel Swing und Ragtime) spricht junge und ältere Menschen in verschiedensten Lebensbereichen an.

– Was dem Publikum immer besonders gut gefällt, sind unterschiedliche, erstklassige Musikerinnen und Musiker, die spontan oder sogar zum ersten Mal zusammen spielen und improvisieren.

 

Da ich schon längere Zeit mit dem Gedanken spielte, ein eigenes Festival zu organisieren, sah ich nun den Moment gekommen, meine Vision zu realisieren: Im selben Jahr organisierte ich die erste International Boogie Night Uster. Dabei kam mir meine grosse Auftritts-Erfahrung zugute; ich konnte bei jedem der vielen Festivals, bei denen ich als Musiker mitgewirkt hatte, etwas dazulernen: Entweder entdeckte ich neue Ideen oder ich erlebte Situationen, die ich als Veranstalter anders gestalten würde.

 

ERFOLGS-FAKTOREN

Einer der wesentlichen Aspekte bei der Durchführung einer solchen Veranstaltung ist das Netzwerk. Mehr noch als in jedem andern Business ist es gerade im Showbusiness unabdingbar, persönliche Kontakte zu haben. Bei den International Boogie Nights Uster sind für mich drei verschiedene Netzwerke von grosser Bedeutung.

 

Einerseits mein Künstler-Netzwerk. Durch meine zahlreichen Teilnahmen als Pianist an Festivals lernte ich viele Künstlerinnen und Künstler persönlich kennen und schätzen. Mit Vielen von ihnen entstand eine musikalische Freundschaft, denn man traf sich immer wieder an verschiedenen Veranstaltungen und Festivals. Viele Boogie-Woogie-Pianisten sind auch Veranstalter oder haben die musikalische Leitung eines Festivals. Und hier zahlt sich dann die Investition ins Netzwerk aus: Wenn ich einen Musiker an mein Festival einlade, besteht eine gute Chance, dass er mich auch an sein Festival einlädt. Wobei dieses Kriterium bei mir – wenn ich das Programm der International Boogie Nights Uster zusammenstelle – nicht im Vordergrund steht; ich lege vor allem Wert auf das Niveau, die Unterschiedl ichkeit und die Entertainer-Qualitäten meiner musikalischen Gäste.

 

Das zweite Netzwerk betrifft meine unternehmerischen Beziehungen. Schon als 16-Jähriger spielte ich regelmässig für Firmen und an Anlässen in der Umgebung meiner Heimatstadt Uster. Diese Kontakte erweiterten und vertieften sich ständig, und sie erleichterten es mir später, Sponsoren und Partner für meine Aktivitäten zu finden. Inzwischen wirken zum Beispiel 30 Firmen als Sponsoren und Partner an den International Boogie Nights Uster mit.

 

Mein drittes Netzwerk sind die Besucherinnen und Besucher meiner Konzerte und Veranstaltungen. Hier kommen mir als Computer-Experte die modernen Marketing-Möglichkeiten natürlich sehr entgegen. Sich mit Tausenden von interessierten «Fans» mit relativ wenig Aufwand «persönlich» austauschen zu können – davon haben Künstler und Kommunikations- Experten in früheren Jahrhunderten nur geträumt.

 

ENTWICKLUNG

Die erste International Boogie Night Uster fand am 2. Dezember 2011 statt. Der Saal umfasste 270 Sitzplätze und in kurzer Zeit war der Abend im Vorverkauf restlos ausverkauft. Schnell war mir klar, dass die Veranstaltung in einem grösseren Saal durchgeführt werden muss. Im Folgejahr fand der Anlass im Stadthofsaal Uster statt, der 650 Leute fasst. 2014 wurde der Anlass auf zwei Abende ausgebaut und wir begrüssen auch 2015 im Stadthofsaal über 1200 Zuschauer an zwei Abenden.

 

KONZEPT/IDEE/KREATIVITÄT/QUALITÄT

Mein Ziel ist es, die Konzerte so abwechslungsreich zu gestalten, dass während des ganzen Abends alle paar Minuten wieder etwas «läuft» bzw. ändert. Das erreiche ich, indem ich mehrere Pianisten einlade und dabei besonders darauf achte, dass sie verschiedene (Jazz-) Stile repräsentieren, denn auch beim Boogie-Woogie gibt es Unterschiede. Der eine spielt den Boogie eher jazzig, andere spielen ihn eher rockig, bluesig oder mit viel Swing. Zusätzlich präsentiere ich spezielle musikalische Gäste, die bewusst nicht Piano spielen, sondern andere Instrumente – oder die als Sängerinnen oder Sänger mitwirken.

 

Im ersten Teil des Konzerts präsentieren sich die Pianisten ca. 20 Minuten als Solokünstler, zum Teil allein, zum Teil mit Begleitung einer Rhythmus-Gruppe. Für Musiker ist dieser Teil eine Herausforderung, denn 20 Minuten sind sehr kurz, um sein ganzes Können zu zeigen. Ich als Veranstalter möchte jedoch dem Publikum möglichst viel Abwechslung bieten – und das erreiche ich eben mit kürzeren Solo- Auftritten. Hier komme ich öfters mit mir selber in Clinch als Musiker und Veranstalter…

 

Meine Rhythmus-Gruppe besteht aus einem hervorragenden Schlagzeuger (Mario Von Holten) und einem Steh-Bassisten der Extraklasse (Arno Schulz). Meistens «proben» die Gast-Pianisten mit der Rhythmus- Gruppe quasi während des gemeinsamen Abendessens.

 

Im zweiten Teil des Konzerts fordern sich die Pianisten gegenseitig zu «Duellen» heraus. Mit 4–5 Pianisten an 2 Flügeln – unterstützt durch eine hochkarätige Rhythmus-Sektion und umrahmt von den Special-Guests – erleben die Zuschauer ein einmaliges Spektakel. Viele der Pianisten spielten zuvor noch nie miteinander und so entsteht eben dieser «Jam-Session- Effekt», der beim Publikum immer enorm gut ankommt.

 

MARKETING/PR

Ein Bestandteil des Erfolgs der International Boogie Nights Uster ist der Bereich Marketing. Ich habe mir mein Wissen durch Beobachten, Zuhören und viel Lesen im Internet beigebracht. In der heutigen Zeit hat man beim Lernen einen grossen Vorteil gegenüber früher: Man findet für jedes Programm zahlreiche Tutorials (Lern-Videos und Arbeitsabläufe) im Web. So habe ich mir einerseits das strategische Wissen beigebracht, aber auch den operativen Umgang mit der dazu benötigten Software. Die Gestaltung von Flyern, Plakaten, Programmheften, CD-Hüllen usw. sowie der Website erledige ich selbst. Wobei ich ganz klar sage: Die beste Werbung ist die Mund-zu- Mund-Propaganda. Begeisterte Konzert-Besucherinnen und -Besucher kommen nicht nur wieder – sie bringen auch jedesmal mehr Freunde mit!

 

Da sich wahrscheinlich einige Menschen unter dem Begriff «International Boogie Nights Uster» nichts vorstellen können, und damit keine falschen Erwartungen entstehen, habe ich mit einem Video-Produzenten zwei Konzertabende des Festivals auf Video festgehalten. Die aufwendig erstellten Videos wurden dann auf dem Video-Portal YouTube publiziert und für Werbezwecke verwendet. Damit kann sich jeder Besucher zuerst ein Bild machen, was ihn erwartet. Zahlreiche Video-Aufrufe waren das Resultat – und damit bestimmt auch ein Teil des Erfolgs.

 

An der Planung und der Vorbereitung der International Boogie Nights Uster arbeite ich ca. 9 Monate pro Jahr, nebst meinen üblichen Proben und Auftritten. Bis etwa zwei Wochen vor dem Festival liegt der grösste Teil der Organisation bei mir. Um dann an den Veranstaltungs- Abenden alle organisatorischen Aspekte im Griff zu haben und um alle Künstler, alle Partner und Sponsoren sowie die Besucherinnen und Besucher persönlich und bevorzugt betreuen zu können, stehen mir rund 20 tolle Helferinnen und Helfer zur Verfügung. So verpflegen wir zum Beispiel gegen 700 Gäste innert ca. 20 Minuten an diversen Bars. Das ist hohe Schule. Veranstaltungen dieser Art stehen immer unter der Bedingung «Erfolg auf Anhieb»; man kann ja einen Konzertabend nicht einfach wiederholen, wenn er nicht gut war … Daher braucht es von allen Mitwirkenden und Involvierten ein hohes Commitment und Engagement.

 

FAZIT

Meiner Meinung nach ist konstante Qualität der Schlüsselfaktor für Erfolg, und zwar sowohl in künstlerischen, in organisatorischen wie auch in unternehmerischen und kommunikativen Belangen. Selbstverständlich muss man auch fleissig, kreativ, seriös und zuverlässig sein – sowohl als Musiker wie auch als Veranstalter –, wenn man professionell agieren will. Daneben finde ich aber auch Mut und Motivation wichtig. Und da es sich bei Musik ja doch um eine künstlerische Aktivität handelt, hilft sicher auch ein bisschen Talent … Mein Ziel ist und bleibt es, alle Mit-Beteiligten – die Partner und Sponsoren, die Besucherinnen und Besucher und die mitwirkenden Musikerinnen und Musiker – zu begeistern und zu verwöhnen; und dabei persönlich immer auf dem Boden zu bleiben.

 

Quelle:

http://www.wirtschaftsmagazin.ch/wirtschaftsmagazin/Artikel/2015/Jahrbuch_2016/conz.php

 

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