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Fünf Jahre «Kultur am Gleis» gebührend gefeiert



(rj) Gleis1, 16. Mai, 20 Uhr: Das Geschirr war nach dem feinen Festmahl abgeräumt, die Getränke blieben noch auf den Tischen stehen. Das Licht wurde gedimmt, und das Stimmengewirr verstummte, als Andreas Keller, Präsident von «Kultur am Gleis», die Bühne betrat und zum Mikrofon griff. Die Spannung stieg, die Gäste waren gekommen, um das Fünfjährige des Vereins zu feiern. Gleichzeitig schwebte die Frage im Raum: Wie geht es weiter mit «Kultur am Gleis»?

Sichtlich stolz las Keller die Grundidee des Vereins aus der Gründungszeit im Jahr 2019 vor: «Wir wollen unkompliziert kulturelle Anlässe aller Art in familiärem Rahmen organisieren und ein vielfältiges Kulturangebot in Nänikon-Greifensee fördern.» Im Vorstand sind neben Keller auch Martin Meier als Vizepräsident sowie Marianne Surber, Regina Haas und Barbara Krynski. Trotz einer mehrmonatigen Pause wegen Corona haben die Fünf seither nicht weniger als 213 Veranstaltungen, davon 135 Konzerte, in der ehemaligen Schalterhalle organisiert.

«Die Premiere fand nach der Eröffnung des Gleis1 Anfang März 2019 statt, noch vor der offiziellen Gründung des Vereins. An diesem Tag gab es einen ersten Gesangsauftritt von Lisa und Nina Meisser, die von Nenad Leonart am Klavier begleitet wurden. Das erste Konzert gab das ‹Attic Jazz Collective›, eine familiengeführte Jazzband aus Greifensee.»

Nach weiteren Rückblicken auf die bewegte Kulturgeschichte übernahm Martin Meier das Wort und stellte «zwei liebe Freunde des Hauses», Chris Conz und Duke Seidmann, vor.

Lebensfreude pur

Bühne frei, Conz setzte sich ans Klavier, los ging es mit dem romantischen Hit «Just for you» von Sam Cooke. Die Stimmung war elektrisiert und explodierte förmlich, als der Musiker anschließend sein unvergleichliches Boogie-Woogie-Können unter Beweis stellte. Klavier spielen und Klavier spielen können sind zwei Paar Schuhe. Die zehn Finger auf den Tasten schienen ein Eigenleben zu führen und strahlten pure Lebensfreude aus.

Der Ton war gesetzt, das Publikum im voll besetzten Raum aufgedreht, konnte gar nicht genug bekommen, denn ansteckender kann Klaviermusik kaum sein. Die magische Boogie-Stimmung entsteht durch die einzigartige Mischung aus Kraft, Swing, Frische und Blues, sehr rhythmisch, scharf akzentuiert, zwischendurch sogar verträumt, melancholisch, aber nie kitschig, nie sentimental mit Chris Conz an der Klaviatur.

Der Showman

Conz trat mit seinem musikalischen Partner Duke Seidmann auf. Die beiden sind ein eingespieltes Team und haben nicht nur das Grundverständnis von Jazz gemeinsam: Sie pfefferten sich schelmisch durch den Abend, improvisierten aus vollem Herzen und brachten die Gäste zum Lachen und Jubeln. Seidmann spielte nicht nur sein Saxofon, als wäre es seine eigene Seele, er sang und moderierte mit rauer, unverwechselbarer Stimme und brachte mit Charme und Witz das Publikum zum Mitsingen.

Das Programm lief und lief, Evergreens wie «Take the A-Train», «Memories of you», «Blueberry Hill», «Sweet Georgia Brown», vor allem aber immer wieder Boogies, die das Gleis1 fast zum Einsturz brachten. Drei Zugaben lagen drin, doch schließlich klang dieser wunderbare Abend mit Chris Conz solo aus, der auf Wunsch aus dem Publikum seine ganz persönliche Version des bekannten Flamencos «Asturias» des Spaniers Isaac Albéniz präsentierte.

Wie weiter?

Das Lokal leerte sich langsam. Draußen regnete es. Die Tropfen auf dem Asphalt schienen die Worte des Präsidenten zu wiederholen: «Die vorerst letzte Veranstaltung ist ein Konzert Anfang Juni. Danach gehen wir in die Sommerpause. Zurzeit laufen die Vertragsverhandlungen für den Pächterwechsel des Gleis1. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich festhalten, dass wir bereit sind, den ehemaligen Billettschalter nach einem Wechsel mit niederschwelligen kulturellen Anlässen in familiärem Rahmen zu bespielen, sofern dies ins Konzept des neuen Pächters passt.»

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